(re)action:cologne-canalisation-the-probe (kronleuchtersaal köln)

Performative installation von thonbeuse.com, Fotografien Lars H. Beuse, Christine S. Thon und Katharina Urbaniak, 2008
Schlagworte (Tags) Experimentelle Räume,Kunst am Bau,Site Specific,Intim/Öffentlich,Kunstsysteme,Denkmal,Interventionen,Wahrnehmung, Symbol und Wahrnehmung,Architektur,Baugeschichte, Performance,

Abstract

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Die Kanalisation als Ver- und Entsorgungsbauwerk eines Stadtorganismus. "Stadt" erkennt man nach dem Prozess der strukturellen Selbstauflösung, physisch und organisch nur noch an den Strukturen, die ihrer Ver- und Entsorgung dienen.
Während des etwa dreistündigen Feldaufenthaltes war der Kronleuchtersaal für die Öffentlichkeit bewusst nicht zugänglich, es war lediglich möglich von aussen in den geöffneten Zugang zum Kronleuchtersaal zu blicken, vielleicht ein Geräusch zu hören.

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Texte

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"Wenn die Kunst nur bestätigen sollte, was seit eh und jeh festgelegt wurde, dann brauchte man sie garnicht. Ihre Rolle ist die einer Sonde, die ins Namenlose hinabgelassen wird. Der Künstler ist ein Apparat, der Vorgänge in einer Tiefe registriert, in der Werte geschaffen werden."

Bruno Schulz in einem Brief an Stanislaw-Ignacy Wikiewitz, aus "Die Wirklichkeit ist Schatten des Wortes, Aufzätze und Briefe(hg. v. Mikolaj Dutsch, übers. v. Josef Hahn u. Mikolaj Dutsch. München:Hanser)
Aus: Zielinski, Siegfried, Archäologie der Medien, Zur Tiefenzeit des technischen Hörens und Sehens, Reinbek bei Hamburg, 2002.
"Die Stadt, die Einheit des Ortes ist, ohne Einheit der Zeit zu sein, verschwindet also in der Heterogenität des Zeitregimes der modernsten Technologien. Die Form der Stadt kann nicht mehr an einer bestimmten Demarkationslinie, die das hier vom dort trennt, abgelesen werden, sie wird vielmehr durch die Programmierung von Zeitplänen bestimmt. Der Zugang erfolgt auch nicht mehr über einen Raum, der den Übertritt regelt, sondern mittels eines audiovisuellen Protokolls, in dem das Zuschauen und die Einschaltquoten den Ersatz bieten für den öffentlichen Empfang und das gesellschaftliche Ereignis.(...)In Medien wie Satelliten, TV,Glasfaserkabel,Telematik usw., die eine unmittelbare Kommunikation ermöglichen, ersetzt die Ankunft die Abfahrt (...)

Paul Virillio, zitiert nach: Raumtheorie, Hrsg. Jörg Dünne und Stephan Günzel, Suhrkamp Taschenbuch 1800,Frankfurt/Main, 2006"


Die Kanalisation als Ver- und Entsorgungsbauwerk eines Stadtorganismus. "Stadt" erkennt man nach dem Prozess der strukturellen Selbstauflösung, physisch und organisch nur noch an den Strukturen, die ihrer Ver- und Entsorgung dienen.
Während des etwa dreistündigen Feldaufenthaltes war der Kronleuchtersaal für die Öffentlichkeit bewusst nicht zugänglich, es war lediglich möglich von aussen in den geöffneten Zugang zum Kronleuchtersaal zu blicken, vielleicht ein Geräusch zu hören.

Die KünstlerInnen agieren als Avantgarde der "Auflösung", sind geheimnisvolle, getarnte, analysierende Lebensformen.

Sie bringen ihre "schwarze Sonde", ihre "Messfühler" in den Unterground, sie entdecken die Kanalisation als letzten "authentischen" Public Space der Städte.

Fragend sitzt der anonyme „Hauptdarsteller“ im Kronleuchtersaal der Kölner Kanalisation und blickt auf ein Notebook. Aus einem schwarz-glänzenden Plastikzelt führt in vielen Windungen eine schlauchartige Apparatur heraus. Diese saugt scheinbar Bestandteile des Raumes und der vorbei treibenden Rezipientenreste an, um sie einer genaueren Analyse zu unterziehen. Zu welchen Analyseergebnissen mag der Hauptdarsteller der Installation gelangen, was sieht er auf seinem Notebook?
Der gesamte Aufbau der Installation erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Die Form erinnert an reale wissenschaftlich-technische Arbeiten, die Materialien sind temporärer Natur, lassen sich schnell auf- und abbauen (Plastik, LabTop, Klapptisch und Klappstuhl, etc.), Werkzeuge der nomadisierenden künstlerischen Wissenschaft.
Erst bei genauerem Hinsehen erschließt sich die Sinnlosikgeit der Technik: Rohre sind nicht verbunden, Schläuche enden plötzlich, der LabTop befindet sich im Ruhezustand, Warnkegel und Schilder sind willkürlich aufgestellt.

Mit Mikrophonen, Kameras, Computern und ihrer schwarzen Messsonde betreiben die KünstlerInnen ihre Beweissicherung, suchen nach der Stadt, nach ihrer "organischen" Vernetzung, nach Spuren von Leben, nach Beweisen der Existenz eines Stadtorganismus. Die Kanalisation ist gleich den Datenkanälen ein Symbol der Vernetzung - jedes Haus ist über die Kanalisation indirekt mit jedem anderen Haus verbunden, die Kanalisation ist das "Netzwerk der Verdauung", der Wasseraufbereitung, ähnlich den "Datenkanälen" die gleichsam das neuronale Netz der Stadt symbolisieren.
Die Metamorphoses des Wassers: aus den Abwässern wird das Trinkwasser, aus dem Trinkwasser die Abwässer...
Der Kronleuchtersaal der Kölner Kanalisation mit seinem aus heutiger Sicht grotestkem Kronleuchter tut ein Übriges dazu, die Situation von einer Behauptung in eine Frage kippen zu lassen. Die real-rationalen Instrumente wie der "Gasmesser" am Geländer oder der Eimer der Stadtentwässerungsbetriebe Köln mit Desinfektionstüchern werden Teil der Installation.
Dabei verweist der Gasmesser auf einen diesem Orte innewohnenden sehr besonderen Aspekt: den des Geruches, den der Faulgase, die die Frustrationstoleranz der Beteiligten jäh auf die Probe gestellt haben. Denn der Kronleuchtersaal der Kölner Kanalisation, ist eben ein Kanalisationsbauwerk.


English:
The anonymous leading actor of the installation sits in the chandelier-hall located in the cologne canalisation system and gapes at a notebook. A twisty tube connects a black plastic tent with the channel, sucking fragments into the tent, or is it actually pumbin' somethin' into the channel, or both? It must be some kind of analyses goin on deeb under the citys surface. What might be the result of that "scientific" action?


The artists set up their black probe within the canalisation, they are searching for the organic city.

If you take a closer look you will see that all that scientific instruments will not work together - tubes are not connected, the notebook is in standby mode, danger signs placed randomized. The chandalier inside the canalisation system gives a bizarre impression. The answeringmachine "reality" breaks towards a question forming process. And of course you have a very rough smelliness inside that building.

The artists assemble microphones,cameras, computers, a probe to secure the evidences of a city organism, they are searching for life, for an organic city network. Like datachannels the channels of the canalisation are connecting every building with every building, the canalisation is the network of digestion like the datachannel network is a neuronal network.

Geodaten

Marienfriedhof

Credits

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Vielen Dank an:
Stadtentwässerungsbetriebe Köln, AöR
Ostmerheimer Straße 555
D-51109 Köln

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(c) christine s. thon, lars h. beuse Bild/Kunst: Urhebernummer: 182 29 53