(re)action: "Gewächshaus Erinnerung : Erinnerungsmuster " - Die Seilbahn

Objekt auf/über Andreasplatz in Hildesheim, 50 Meter weisses 4mm Nylonseil, gegossener Wurfanker, Drahtschlingen, Spanngurte, Sandwichboxen Transparent mit Erinnerungsstücken. thonbeuse 2010
Schlagworte (Tags) Geschwindigkeit und Beschleunigung,Experimentelle Räume,Kunst am Bau, Öffentliche Kunst,Kunst des Öffentlichen,Site Specific,Ballistic of Objects,Intim/Öffentlich,Erinnerung/Wandel,Kunstsysteme,Transformationen,Erinnerung/Raum,Interventionen,Performative Installation, Symbol und Wahrnehmung,Objekte,Bewegungsmuster,Gewächshaus der Erinnerung,

Abstract

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Zufällig ist gleicherweise die Beschaffenheit eines Gegenstandes, der ebensowohl auch anders sein könnte, und gleicherweise ein Ereignis, das ebensowohl auch hätte ausbleiben können. Der Gegenstand, die Beschaffenheit, das Ereignis ist wirklich da; es war also möglich, und unter den vielen Möglichkeiten, die hätten wirklich werden können, ist diese eine zur Verwirklichung gelangt.

Dr. Adolf Lasson 1916 in einem Vortrag über Zufall

Sound Seilbahn:

Mit der Unterstützung der Berufsfeuerwehr Hildesheim haben wir eine Art Seilbahn aus einem der Fenster unseres Ausstellungsraumes gebaut. An dieser Seilbahn ließen wir während der Ausstellungsdauer die Erinnerungsstücke in ihren Sandwichboxen erstmals in den öffentlichen Raum gleiten.

Bild: aus der "Pia Desideria", Hermann Hugos eines jesuitischen Mönchs, wir sehen einen Kupferstich von Boethius von Bolsward(Bolswert)(1580-1634), insgesamt sind die Stiche äußerst fein. Eine andere "PiaDesideria", die von  Spener erschien 1675.

Video

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[Im Hintergrund rauscht unbeirrbar der Bugenhagenbrunnen]

Texte

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Zufällig ist gleicherweise die Beschaffenheit eines Gegenstandes, der ebensowohl auch anders sein könnte, und gleicherweise ein Ereignis, das ebensowohl auch hätte ausbleiben können. Der Gegenstand, die Beschaffenheit, das Ereignis ist wirklich da; es war also möglich, und unter den vielen Möglichkeiten, die hätten wirklich werden können, ist diese eine zur Verwirklichung gelangt.

Dr. Adolf Lasson 1916 in einem Vortrag über Zufall

Mit der Unterstützung der Berufsfeuerwehr Hildesheim haben wir eine Art Seilbahn aus einem der Fenster unseres Ausstellungsraumes gebaut.  (Man denkt sich vielleicht man hätte dieses Seil auch einfach hinuterwerfen können. Doch dies ist kniffliger als man denkt, das Seil könnte leicht Teile der alten Bausubstanz beschädigen, oder sich in den Dachpfannen verfangen etc. ) An dieser Seilbahn ließen wir während der Ausstellungsdauer die Erinnerungsstücke in ihren Sandwichboxen erstmals in den öffentlichen Raum gleiten.Die Andreaskirche weist eine sofort ins Auge springende Besonderheit auf: Ihre Proportionen sind sehr ungewöhnlich, an den mächtigen und wuchtigen Turm, der eine Rechteckform mit aufgesetzter langgezogener Spitze bildet, schließt sich ein recht breites und hohes Mittelschiff mit verhältnismäßig kleinen Seitenschiffen an. Dadurch entsteht ein sehr kompakter, aber irgendwie auch ungewöhnlich proportionierter Eindruck von "Mächtigkeit".

Bild: aus der "Pia Desideria", Hermann Hugos eines jesuitischen Mönchs, wir sehen einen Kupferstich von Boethius von Bolsward (Bolswert)(1580-1634),insgesamt sind die Stiche äußerst fein. Eine andere "PiaDesideria", die von  Spener erschien 1675.

Möglicherweise hat diese Erscheinung damit zu tun, dass es während der Bauphase zu einem Fehler bei der Umsetzung der Pläne kam - man hielt die tschechische Elle für eine deutsche Elle, aber dies sind unbestätigte Gerüchte.Was bleibt ist ist der Augenschein einer seltsamen Proportion.

Diese Anmutung haben wir aufgegriffen und fortgesetzt in dem wir der "Wucht" der Kirche ein sehr feines und leichtes weisses Nylonseil von etwa 4 mm Durchmesser entgegensetzten. Schon bei der Anbringung mit Hilfe des großen Leiterwagens fällt dieses Konzept der Unproportionalität auf.  Durch diesen offensichtlichen Bruch entstand eine Irritation, die dem Seil eine seltsam virtuelle doch sehr deutliche Präsenz gab. Wieder entstand ein Bild welches auf den ersten Blick realistisch scheint, bei genauerer Betrachtung aber auf den Raum der Erinnerungen, Wünsche, Träume verweist. Bei der Auswahl des Seils und der Befestigung der Erinnerungsstücke spielte auch Klang eine Rolle, wir wollten in Kombination mit der großen Künstlichkeit der Boxen einen ebenso künstlichen Klang beim Heruntergleiten der Boxen erzeugen.
Sound SeilbahnDaneben sollten die Boxen nicht einfach schnurrgerade und schnell nach unten rauschen, sie sollten gleiten, fliegen, taumeln, auf den Wind reagieren können, sich "nach unten arbeiten", aber dennoch fixiert sein, also keine komplette Zufälligkeit, oder Preisgabe der künstlerischen Kontrolle.

Der Flug der Erinnerungen durfte so vor allem nicht zu schnell gehen. Wir haben die Erinnerungsstücke im Turm mit Drahtschlingen zu Bündeln geschnürt und sie dann mit eben der Drahtschlinge in das Seil gehängt. Dadurch hatten die Bündel genug Zeit und Spielraum um auf die Wetterbedingungen zu reagieren, der Klang der bei diesem Vorgehen entstand deckte sich ebenfalls mit unseren Vorstellungen.Das Seil wurde mit einem Anker, der in der Stadtmöblierung hing, unten fixiert. Die herunterfliegenden Bündel bildeten oberhalb des Ankers ein zufälliges Objekt, welches schließlich mit dem Objekt der Seilbahn selbst korrespondierte. Dieser Abschnitt der Aktion steht für einen begrenzten "Kontrollverlust" bei der Ausbringung der Gegenstände in den nun öffentlichen Raum. Zwar geben wir durch die Kapselung in den Boxen, und die vorgeschrieben "Route" am Seil noch etwas vor, doch sind einige Elemente des Settings nicht mehr steuerbar, inbesondere während des Fluges der Stücke. Erneut greifen wir hier das Moment der stabilen und gleichzeitig kommunikativ-flexiblen Erinnerungsstrukturen auf.  

Geodaten

Andreaskirchturm

Credits

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Kunsthochschule für Medien Köln
Projektbetreuung: Prof. Johannes Wohnseifer

Besonderer Dank:
Superintendent Aßmann für die freundliche Aufname im Kirchturm und für einen überzeugenden Beitrag zur Theorie des Objekts.
Evangelisch-Lutherische Andreasgemeinde Hildesheim und Michael Fritz sowie Küster Merten für die hervorragende Unterstützung!


Kristin Wiedemann für die Fotos vom Feuerwehreinsatz

Berufsfeuerwehr Hildesheim für die Unterstützung bei der Anbringung der Seilbahn!!


Anna Förster und Joseph Krupp für tatkräftige Unterstützung

Herr Holz für das Interview


Josephine Reinisch und Kristin Wiedemann für die stets freundliche Unterstützung rund um die Organisation.

Stadtmarketing Hildesheim für die Möglichkeit die Videoüberwachung und den Eingangsbereich zu nutzen.

Ehepaar Landreh für ausgezeichnete Unterhaltung und Holundersirup




Jo Köhler und Siggi Stern für alles mögliche.



Press:



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(c) christine s. thon, lars h. beuse Bild/Kunst: Urhebernummer: 182 29 53