(re)action: "Gewächshaus Erinnerung : Erinnerungsmuster" - Im "leeren" Park

Video - thonbeuse 2010, 6 min, Webversion
Schlagworte (Tags) Experimentelle Räume,Topographische Vernetzung/Verteilung,Blickpolitik, Symbol und Wahrnehmung,Architektur,Baugeschichte,Tourismus,Gewächshaus der Erinnerung,Video,

Ein Video mit Impressionen vom Marienfriedhof, wenige Stunden bevor wir begonnen haben unser Objekt aufzubauen.

Abstract

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Ein Video mit Impressionen vom Marienfriedhof, wenige Stunden bevor wir begonnen haben unser Objekt aufzubauen.




Video

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12. August 1834 – Einweihung des Marienfriedhofes durch Vertreter der protestantischen und katholischen Kirche.

Durch die rasche Zunahme der Bevölkerung und die begrenzten Kapazitäten der bestehenden Friedhöfe, wurde seine Errichtung notwendig. Der Marienfriedhof erhielt seinen Namen nicht von der Jungfrau Maria, sondern von der ersten dort bestatteten Toten, der Stiftsdame „Marie Charlotte Herdtmann“. Der Friedhof lag damals noch vor den Toren Hildesheims, wenn auch nahe der Stadt.

 

1835/36 – Hildesheims erstes Totenhaus wird auf dem Marienfriedhof errichtet.

Zu dieser Zeit herrschte eine große Angst davor, Scheintote bei lebendigem Leib zu begraben bzw. selbst lebendig begraben zu werden. Hier sollte die Leichenhalle, in der man die Toten einige Tage aufbahrte, Abhilfe schaffen. 1945 wurde das, mittlerweile zum Gärtnerwohnhaus umfunktionierte, Gebäude in Folge der Luftangriffe auf Hildesheim teilweise zerstört. Nachdem es 1957 renoviert wurde, riss man den klassizistischen Bau 1982 ab. Der Grundriss ist bis heute zu erkennen.


26. Juli 1844 – Erster Spatenstich für die Eisenbahnstrecke.

Diese wurde zum Teil auf Land errichtet, das schon für den Marienfriedhof vorgesehen und geweiht worden war. Ende des 19. Jahrhunderts verlegte man die Streckenführung und den Bahnhof etwas nach Norden. Das alte Bahngelände erwarb ein Maschinenfabrikant. Dadurch konnte sich der Friedhof nicht mehr ausdehnen und wurde 1933/34 sogar noch verkleinert, als man einen Teil der Friedhofsfläche an die Maschinenfabrik verkaufte. Grabstellen wurden – sofern noch Ansprüche vorhanden waren – umgebettet und wieder hergerichtet. Die Fabrik existiert heute nicht mehr. Die ehemaligen Fabrikhallen wurden zu Grünflächen und in den Bürohäusern sind eine Schule und Teile des Finanzamtes untergebracht.


13.3.1894 – Schließung des Friedhofes aufgrund von vollständiger Belegung.

Schon 1885 beschlossen die städtischen Kollegien, Land für einen neuen Friedhof zu kaufen, da der Marienfriedhof fast vollständig belegt war. Zwar waren auch neun Jahre später noch 451 leere Grabstellen vorhanden, 440 von diesen aber bereits erworben.


1930er – Umgestaltungsarbeiten zur Parkanlage

Wege wurden hergerichtet, ein Haupteingang geschaffen, verwahrloste und unbedeutende Gräber eingeebnet und die Rasenflächen neu eingesamt.


1940er – Nutzung im 2. Weltkrieg

Während des 2.Weltkrieges wurden auf dem Friedhof für die Belegschaft der Maschinenfabrik acht Luftschutzbunker und ein Feuerlöschteich angelegt, die man 1947/48 wieder beseitigte.


1950er – Tummelplatz der Jugend und grüne Oase inmitten der Trümmerstätten

Man schuf eine weitere Liegewiese, sowie einen Spielplatz und schirmte den Park zur Straße ab. Das begünstigte „unsittliches Verhalten“, gegen das die Polizei verstärkt anging.

130 Grabstellen wurden bestimmt, die der Nachwelt erhalten bleiben sollten. Aus den einigen Grabsteinen der übrigen Gräber stellte man Schotter her, der als Füllschicht für das neue Wegenetz diente.


1970er – Wiederholte mutwillige Zerstörung von Grabsteinen.

Alleine in einer Dezembernacht 1975 wurden 12 Grabmale umgeworfen. Da die Mittel zur Restaurierung fehlten, gingen sie verloren.


Heute – Ein städtischer Park

 

Ungefähr 100 Grabsteine oder Reste von Grabstellen sind erhalten. Auch das hohe Gründungskreuz von 1834 steht unverrückt an seiner Stelle.

Quelle: „Hildesheimer Friedhöfe im Wandel der Zeit“, Verlag Lax Hildesheim, Günther Hein / VHS – 1989-90, (Neuauflage: 1999)

 

Texte

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Ein Video mit Impressionen vom Marienfriedhof, wenige Stunden bevor wir begonnen haben unsere Installation aufzubauen.
Der Marienfriedhof ist ein ambivalenter Ort am Rande der Innenstadt Hildesheims, in der Nähe des Hauptbahnhofs. Neben spielenden Kindern und Entspannung suchenden Menschen finden sich hier auch "Wohnungslose", für die der Park Wohnzimmer ist, ein letztes Stück Heimat.
Der Park war bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein Friedhof. Während des zweiten Weltkrieges wurde unter der Oberfläche ein Bunkersystem angelegt. Ein wunderbarer alter Baumbestand und Neo-Gotische/Klassizistische Grabmale geben dem Park ein besonderes, ein etwas verträumtes Erscheinungsbild.
Unser Video zeigt Impressionen aus dem Park, die wir zwei Tage vor dem Aufbau unseres Objektes erstellt haben.

Geodaten

Marienfriedhof

Credits

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Kunsthochschule für Medien Köln
Projektbetreuung: Prof. Johannes Wohnseifer

Besonderer Dank:
Superintendent Aßmann für die freundliche Aufname im Kirchturm und für einen überzeugenden Beitrag zur Theorie des Objekts.
Evangelisch-Lutherische Andreasgemeinde Hildesheim und Michael Fritz sowie Küster Merten für die hervorragende Unterstützung!


Kristin Wiedemann für die Fotos vom Feuerwehreinsatz

Berufsfeuerwehr Hildesheim für die Unterstützung bei der Anbringung der Seilbahn!!


Anna Förster und Joseph Krupp für tatkräftige Unterstützung

Herr Holz für das Interview


Josephine Reinisch und Kristin Wiedemann für die stets freundliche Unterstützung rund um die Organisation.

Stadtmarketing Hildesheim für die Möglichkeit die Videoüberwachung und den Eingangsbereich zu nutzen.

Ehepaar Landreh für ausgezeichnete Unterhaltung und Holundersirup




Jo Köhler und Siggi Stern für alles mögliche.



Press:



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