Im Frühjahr 1933 wurde bereits mit der sogenannten „Aktion wider den undeutschen Geist“ begonnen, die vor allem von der Deutschen Studentenschaft (DST) durchgeführt wurde. Den vorläufigen Höhepunkt dieser Aktionen bildeten die sogenannten Bücherverbrennungen auf öffentlichen Plätzen in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1933.
Diese sichtbaren Symbole einer repressiven Kulturpolitik waren ein inszenatorisches, ein mediales Mittel um einen langanhaltenden und durchgreifenden Prozess zur Umstrukturierung der Bibliotheken, der Universitäten, der Kulturinstitutionen und anderer Bildungseinrichtungen durchzuführen.
Wir haben uns durch ein lebendiges und prozesshaft angelegtes Kunstereignis mit diesen historischen Begebenheiten beschäftigt, und allen interessierten Menschen die Gelegenheit gegeben Teil dieses Erinnerungsprozesses zu werden, aber auch zu erforschen in wie weit diese Entwicklungen bis heute nachwirken. In der Zeit vom 29.09.- 02.10.2009 zwischen 14:00 und 18:00 Uhr nahmen wir deshalb an unserer "Büchersammelstelle", Philosophikum, Uni Köln, im Bereich des Haupeingangs, Bücher von Autoren die sich auf der sogenannten „Liste I Schöne Literatur“ befanden entgegen. Diese Liste liegt an der "Büchersammelstelle" aus.
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by thonbeuse
Die Stränge sind Geschichte, Topographie und Zeit. Die Wirkungen der historischen Ereignisse vervielfältigen sich, sie bewegen sich mehrdimensional in verschiedene Richtungen, von Schnittpunkten der Ereignisse ausgehend, andere Schnittpunkte formend, fortdauernd. Niemals verloren gehend, nur sich wandelnd. Kein Schuldkomplex, kein schlechtes Gewissen, es ist der Lauf der Dinge, die Unerbittlichkeit der vernetzten Wahrnehmung, die in eine immer neue Auseinandersetzung zwingt. Der Wind, sichtbar durch den Staub (Sprache der Erosion) - die unkontrollierbaren, chaotischen Fragmente, die durch das Räderwerk der Auseinandersetzung freigesetzt werden, "Ursuppe" der sich formenden neuen Stränge, vielleicht der Geschmack der Ereignisse, Inkorporation eines Augenblickes, eines Augenblickes der im Moment seiner Realisierung schon wieder erodiert, die Form wechselt, die Ewigkeit ein Treppenwitz der Geschichte. Alles was entsteht ist schon vor seinem Entstehen nur eine Ruine, wie wir selbst.
Im Frühjahr 1933 wurde bereits mit der sogenannten „Aktion wider den undeutschen Geist“ begonnen, die vor allem von der Deutschen Studentenschaft (DST) durchgeführt wurde. Den vorläufigen Höhepunkt dieser Aktionen bildeten die sogenannten Bücherverbrennungen auf öffentlichen Plätzen in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1933.
Diese sichtbaren Symbole einer repressiven Kulturpolitik waren ein inszenatorisches, ein mediales Mittel um einen langanhaltenden und durchgreifenden Prozess zur Umstrukturierung der Bibliotheken, der Universitäten, der Kulturinstitutionen und anderer Bildungseinrichtungen durchzuführen.
Wir haben uns durch ein lebendiges und prozesshaft angelegtes Kunstereignis mit diesen historischen Begebenheiten beschäftigt, und allen interessierten Menschen die Gelegenheit gegeben Teil dieses Erinnerungsprozesses zu werden, aber auch zu erforschen in wie weit diese Entwicklungen bis heute nachwirken. In der Zeit vom 29.09.- 02.10.2009 zwischen 14:00 und 18:00 Uhr nahmen wir deshalb an unserer "Büchersammelstelle", Philosophikum, Uni Köln, im Bereich des Haupeingangs, Bücher von Autoren die sich auf der sogenannten „Liste I Schöne Literatur“ befanden entgegen. Diese Liste liegt an der "Büchersammelstelle" aus.
Der erste Teil der Büchersammlung ist zunächst beendet. Trotz der Semesterferien, die zu einer insgesamt beschaulich, chilligen Athmosphäre im Philosophikum beitrugen gelang es uns ca. 50 Bücher zu sammeln. Natürlich standen neben der Sammlung Gespräche und Diskussionen im Mittelpunkt. Wir bekamen ein durchweg positives Feedback und es ergaben sich zahlreiche interessante Diskussionen. Erstaunlich war für uns, dass nur wenige die ehemalige "Ordensburg" Vogelsang kannten, und überrascht waren, dass es sich um eine der größten Hinterlassenschaften des NS-Regimes handelt. Nun, hier konnten wir natürlich bestens informieren und in Diskussionen um die nicht ganz widerspruchsfreie zukünftige Gestaltung eines solchen Ortes einsteigen.
Die wichtigste Ekenntnis für uns war, dass den meisten Menschen nicht
wirklich klar war, dass der eigentliche Prozess der "Bücherbeseitigung"
erst nach den Verbrennungen einsetzte, und ein eigentlich sehr
trockener, bürokratischer Akt in Form von Dienstanweisungen an
Bibliotheken war, der ohne viel Aufsehen vonstatten ging, Teil des
Alltags in einem Terrorregime war.
Vielfach wurde in den Diskussionen auch angemerkt, dass Listen
mit Autoren unerwünschter Literatur auch heute noch ein Mittel sind um
Oppositionelle zu drangsalieren, zuletzt gesehen am Beispiel des Eklats
um die Chinesischen Autoren und das HickHack um ihr Auftreten im Rahmen
der Frankfurter Buchmesse. Auch wenn China sicher nicht mit Deutschland
1933-1945 vergleichbar ist, ist doch ein bestimmtes Repoirtoire an
Mechanismen erkennbar aus welchem sich viele Diktaturen bedienen.
Die Liste selbst ist hier ein sehr ambivalentes Instrument denn sie
gleicht einer Handlungsanweisung, die keine Überprüfung duldet, sie kann
harmlos sein - "Einkaufliste, Playlist" oder gefährlicher "Liste
verbotener Autoren" etc. Nach der Erstellung einer Liste fragt kaum
jemand nach der Motivation ihrer Erstellung, sie wird abgearbeitet.
Die Bücher wurden in einem Karteikartenkasten erfasst. SpenderIn und die sonstigen Daten des Buches werden aufgenommen.

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